Gewalt in der Gesellschaft - Nicht-tödliche Waffen verändern unsere Welt nicht zu unserem Vorteil

Der Taser - eine Distanz-Elektroimpulswaffe

 

Und wie kann einer Heilung bringen,

wenn alles schon zusammenbricht?

 

Shijing (Buch der Lieder), 10. bis 7. Jh. v.u.Z.

 

 

Beschreibung

Eine der neuen Waffen, mit denen man sich in Zukunft konfrontiert sehen wird, ist der Taser, eine auf Nähe oder Distanz wirkende Elektroschockwaffe.

 

Ein Taser ist Preßluftpistole, mit der jeweils zwei kleine, mit Widerhaken versehene Stahlpfeile verschossen werden können. Sie erreichen eine Geschwindigkeit von bis zu 50 m/s und sollen den Körper eines Opfers an zwei verschiedenen Stellen gleichzeitig treffen.

 

Sobald diese Projektile in die Kleidung oder den Körper eines Getroffenen eindringen, kann mit dem Taser ein- oder mehrmals für eineinhalb bis fünf Sekunden einen Stromstoß mit zwischen 17 500 und 50 000 Volt durch den Körper des Opfers geschickt werden. Die einfachen Modelle solcher Distanz-Elektroimpuls-Waffen übertragen ihren Stromstoß durch bis zu zehn Meter lange Stahldrähte, es gibt aber auch bereits schnurlos funktionierende Taser.

 

Verbreitung und Gefahren

Diese Waffe ist gefährlicher, als ihr Hersteller glauben machen möchte. Nach Angaben von Amnesty International sind zwischen 2003 und 2008 zwei- bis dreihundert  Menschen durch einen Taser zu Tode gekommen. Dennoch werden zukünftig auch in Deutschland zumindest Spezialeinheiten der Polizei solche Waffen einsetzen. In fast allen Bundesländern, unter anderem in Baden-Württemberg ist die Polizei teilweise mit Tasern ausgerüstet. In anderen Ländern der EU und ist der Taser teils eingeführt, teils wird er kritisch diskutiert und aus humanitären Gründen abgelehnt. In der Schweiz hat der Nationalrat und der Ständerat im Jahre 2008 dem polizeilichen Einsatz von Elektroschockpistolen "im Umgang mit gefährlichen Straftätern" gesetzlich erlaubt.

 

Elektroschockpistolen dieser und ähnlicher Art können Herzrhythmusstörungen oder Herzkammerflimmern auslösen. Schwangere, ältere Menschen und Kinder sind besonders gefährdet. Die Projektile eines Tasers gleichen im Prinzip Angelhaken. Sie können schwere Verletzungen hervorrufen, je nachdem, wo und wie sie in den Körper eines Opfers eindringen. Als besonders gefährlich hat sich das Entfernen der mit Widerhaken bewehrten Pfeile aus dem Körper von Getroffenen herausgestellt, da dies nicht selten zu Gewebsverletzungen führt, die mit inneren Blutungen und Nervenverletzungen einhergehen können.

 

Kritik

Die weltweite Kritik an Elektroschockpistolen ist nicht allein gegen ihre potenziell tödliche Wirkung gerichtet. Menschenrechtsorganisationen stellen fest, daß die Waffe auch bei geringfügigen Vergehen und Gehorsamsverweigerung eingesetzt wird. Der Einsatz von Tasern wird von Polizei und Sicherheitskräften nicht selten zu einer Form von "weißer" Folter genutzt. Dies ist im Internet gut belegt und kann etwa über Portale wie You Tube in öffentlich zugänglichgemachte Video-Dokumentationen von der Allgemeinheit zur Kenntnis genommen werden. Man sollte beim Betrachten solcher Videos allerdings beachten, daß im Interesse einer allgemeinen Informationsverzerrung auch propagandistisch gefärbte Clips online gestellt sind. 

 

Während nach Angaben der Wirtschaftswoche vom 17. 03. 2008 der Taser in den USA seit 1994 über 140 000 Mal frei verkauft worden sein soll, hat der Deutsche Bundestag Anfang 2008 den Verkauf des Tasers an Privatpersonen verboten. Kriminelle werden sich dadurch nicht davon abhalten lassen,  sich einen Taser zu besorgen. Wer über Selbstverteidigung nachdenkt, muß in zunehmendem Maße auch damit rechnen, daß er mit einem oder mehreren Angreifern konfrontiert werden kann, die über Distanz-Elektroimpuls-Waffen verfügen. Da diese Waffen als "nicht tödlich" eingestuft werden, ist mir ihrem leichtfertigen Einsatz zu rechnen.

 

 

Links

In diesem Monat betrifft das "interessante Link" also den Taser. Ich möchte das allerdings etwas splitten, da das Thema zu vielschichtig ist, um mit einem einzigen weiterführenden Verweis abgedeckt zu werden. 

 

Allgemein weiterführend zum Thema "Taser" ist ein Link zu heise.de. Es informiert über "Elektroschockpistolen für jeden". -  Wer die schöne Wunderwelt von Taser International in Texas direkt betrachten möchte, kann hier klicken. 

 

Einen hervorragenden Beitrag zum Thema Taser und nicht tödlich oder "weniger tödlich" wirkender Waffen in Deutschland und Europa stellt der Deutschlandfunk seit dem 02.10.2007 bereit.  In sehr ruhigem Ton und journalistisch brilliant aufbereitet werden in einem Feature zum Download die Interessen von Waffenhändlern und der Polizei den Argumenten von Kritikern der "non-lethal weapons" gegeneinandergestellt. Dieser Hörfunkbeitrag unter dem Titel "Sanfte Waffen für Harte Zeiten" dauert ca. 27 Minuten.

 

Wer ein Empfinden dafür entwickeln möchte, wie der Mißbrauch von Tasern durch Ordnungskräfte aussieht, kann sich ein verstörendes Bild machen, wenn er den gut dokumentieren Fall des 22 Jahre alten amerikanischen Studenten Andrew Meyer nachrecherchiert. 

 

Der als "University of Florida Taser Incident" bekanntgewordene Fall hat sich am 17. September 2007 an der Universität von Florida zugetragen. Der Student Andrew Meyer hatte im Rahmen einer Fragestunde den ehemaligen Präsidentschaftskandiaten Kerry öffentlich danach gefragt, inwieweit er mit "Skull and Bones", einer Geheimgesellschaft der Yale University, in Verbindung stehe. Daraufhin griffen Sicherheitskräfte den Studenten sofort an und versuchten, ihn aus dem Saal zu drängen. Meyer leistete nun, wie auf zahlreichen Videos deutlich erkennbar ist, eindeutig passiven Widerstand. Daraufhin wurde er von einer weit überlegenen Zahl von Ordnungskräften am Boden fixiert, mit Elektroschocks gefügig gemacht, festgenommen und abgeführt. -  Bei heise.de ist der Vorfall auf deutsch unter dem Titel "Elektroschockwaffen zur Disziplinierung" kommentiert worden.

 

"Meyer attempted to ask Kerry, a Democrat from Massachusetts, about his involvement in "Skull and Bones", a secret society at Yale University, at the end of the speech's question-and-answer session" (Zit. aus Alligator, der größten Studentenzeitung der USA).

 

Besonders die beiden folgenden Videos zeigen den Verlauf des "University of Florida Taser Incident" übersichtlich:

http://www.youtube.com/watch?v=6bVa6jn4rpE&mode=related&search=

http://www.youtube.com/watch?v=V8ndctwAJmU

 

***

Weitere Hintergrundinformation zum Vorfall, findet man in der täglich erscheinenden Studentenzeitung der Universität Florida ?The Independent Florida Alligator", der größten von Studenten herausgegebenen Zeitung der USA: http://alligator.org/articles/2007/09/18/news/campus/arrest.txt

 

***

So. Genug Material, um über den Taser und seine Einsatzmöglichkeiten nachzudenken. Ich bin und bleibe geschockt. Weil ich noch weiter über den "Taser"und seine Verwandten recherchiert habe, bin ich es mehr, als ich hier auszudrücken vermag. Schöne Grüße von George Orwell (1984) und Aldous Huxley (Schöne neue Welt)! 

 

Optimistische Alternative

Mong Dsï sprach: "Der WEG ist nahe, und sie suchen ihn in der Ferne. Das Werk ist leicht, und sie suchen es in Schwierigkeiten. Wenn alle Menschen ihre Nächsten lieben und ihre Älteren ehren, so ist die Welt in Frieden."

Mong Dsï (Mengzi, Menzius): Lehrgespräche des Meisters Meng K'o. Um 370 v.u.Z.