Dangrade, weiße und schwarze Gürtel

Stille Entschlossenheit, Ausdauer und Durchhaltevermögen

 

In das Thema "Dangrade" und "Schwarze Gürtel" soll ein Zitat von Morio Higaonna einführen: 

 

"Karate lehren und trainieren ist nicht leicht. Jeder beginnt sehr leidenschaftlich und mit vielen Illusionen, aber auf Grund des harten Trainings bleiben nur wenige dabei. Mitte der 60er Jahre war Karate derartig populär, dass meine Gruppen aus allen Nähten platzten. Ich drillte die Schüler im kihon, aber viele gingen nach einer Weile weg. 

 

Im Karate-Training durchlaufen die, die weitermachen, einen Prozeß der Selbstanalyse. Sie beginnen, sich viele Fragen über sich selbst und über ihre Beweggründe für ihr Training zu stellen. Ihre Antwort wird zu einer Widerspiegelung ihrer selbst. Im Ergebnis führt es zu mehr Konzentration, Entschlossenheit und zu einem allumfassenden inneren Frieden...."

 

 

"..... Über dan-Graduierungen muß man nur reden, weil sie so viele Probleme verursachen. Chôjun Miyagi-sensei lehnte es ab, dan-Grade zu verleihen. In den Kampfkünsten kannte man diese Sitte nicht, bis sie beim Jûdô eingeführt wurde. 

 

Bei meiner ersten Prüfung wurde mir von Miyazato-sensei der 3. dan verliehen. Damals war ich fast noch ein Kind, und es bedeutete mir nichts, weder damals noch heute. Ich trug den Gürtel nie.

 

Ich stimme dem Argument zu, daß Graduierungen den Schülern die Möglichkeit bieten, ihren Fortschritt zu messen. Aber diese Vergleichsmöglichkeit hat einen hohen Preis. Graduierungen  verursachen Unzufriedenheit und Zwist. Sie führen zu übermäßigem Stolz. Das alles ist nun aber das genaue Gegenteil dessen, wozu die Übung der Kampfkünste die Schüler eigentlich erziehen soll.

 

Jeder ist unterschiedlich, und folglich sind Unterschiede im Niveau der einzelnen Schüler in den verschiedenen dôjôs unvermeidlich. Das ist so und daran ist nichts zu ändern, selbst wenn sie denselben Grad innehaben. Und damit beginnt die Politik. Ich denke, es sollte nur Weißgurte und Schwarzgurte geben, fertig. Die Konzentration sollte auf das Training und den Sinn der Übung gerichtet sein, nicht auf Graduierungen."

 

Morio Higaonna, Karatemeister, im Interview mit Jose Fraguas. Abgedruckt in schlatt-books, Karate Masters, S. 135 f. Hier veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Verlages schlatt-books, distelhausen et. al.