Verbindungen zum "Buch der Wandlungen"

Arnold Keyserling, das I Ging und Richard Wilhelm

Gesundheit, Kampfkunst und Bewegung lassen sich im Kontext chinesischer Philosophie mit Hilfe des I Ging, des "Buches der Wandlungen" analysieren und beschreiben. Wer sich also für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), fernöstliche Kampfkunst oder Qi Gong interessiert, kommt früher oder später mit dem "Buch der Wandlungen" in Berührung. 

Eine sehr interessante und gelungene Online-Präsentation des I Ging findet sich als eigene Rubrik im Rahmen von Internetseiten, die unter dem Titel "Die Schule des Rades" zu finden sind.

Der interessante Link des Keiko-kan Magazins führt im Monat Oktober 2007 daher auf die Webseiten der "Schule des Rades". Die "Schule des Rades" ist ein komplexer Webauftritt, der sich mit westlicher und östlicher Philosophie, mit Qi Gong und Yoga, Astrologie, mit kosmologischen und theologischen Überlegungen befaßt.

 

Arnold Graf Keyserling, Mai 2005

Arnold Keyserling und die "Schule des Rades"

Man findet auf den Seiten der "Schule des Rades" vor allem Beiträge aus dem Freundeskreis des Religionsphilosophen Prof. Arnold Alexander Graf Keyserling (1922 - 2005). Keyserling, ein Urenkel Ottos von Bismarck, hatte 1964 einen Lehrauftrag an der Hochschule für angewandte Kunst Wien erhalten und war dort 1974 einem Ruf als Professor für Religionsphilosophie gefolgt. Er begründete die "Schule des Rades", den Studienkreis "Kriterion" und gab die Zeitschrift "Pleroma" heraus.

Arnold Graf Keyserling war stark vom Gedankengut umstrittener und illustrer Persönlichkeiten beeinflußt. Zu diesen gehören unter anderen Georges I. Gurdjieff, der die Lehre vom Enneagramm entwickelt hat, Josef Matthias Hauer, der "Erfinder" der Zwölftonmusik, und, nicht zuletzt, der bekannte indische Yogi Ramana Maharshi.  

Vieles auf den Seiten der "Schule des Rades" ist von extremen und pointierten Gedankenströmungen beeinflußt und sollte daher durchaus differenziert betrachtet werden. Manches weckt beim Lesen Unbehagen, weil es eine nicht unbedingt von jedem nachvollziehbare innere Haltung voraussetzt. Trotzdem ist auf den Seiten der "Schule des Rades" durchaus Lesens- und Bedenkenswertes zu finden.

Am besten hält man sich beim Schmökern auf den Seiten der "Schule des Rades" eine Bewertung von Georges I. Gurdjieff, einem der Lehrer Arnold Keyserlings, vor Augen.  Gurdjieff hat dem gesunden, kritischen Menschenverstand besondere Bedeutung zugemessen und von jedem Einzelnen gefordert,  daß er selbst nachdenken und prüfen solle, wie es auf ihn wirkt, wenn er sich mit seinen (Gurdjieffs) Systemen und Theorien befasst. An dieser Stelle sei daher ausdrücklich gesagt, daß sich der Betreiber dieser Webseiten die Lehren der "Schule des Rades" nicht zu eigen macht.

 

Der Link zum I Ging

Das eigentliche Ziel unseres "interessanten Links" liegt daher nicht auf den Seiten der "Schule des Rades" in ihrer Gesamtheit, ebensowenig wie auf ihren manchmal durchaus lesenswerten und bedenkenswerten Publikationen generell. Unser Link ist vielmehr auf die die Online-Präsentation des "Buches der Wandlungen" bezogen, auf das I Ging, das im Rahmen der "Schule des Rades" in der berühmten deutschen Übersetzung von Richard Wilhelm vollständig hinterlegt und mitsamt den interessanten Kommentaren Wilhelms präsentiert ist. 

Die Textversion des I Ging von Richard Wilhelm wurde vor allem wohl auch deshalb auf den Seiten der "Schule des Rades" hinterlegt, weil Wilhelm mit der Familie Graf Keyserling zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in einem freundschaftlichen Verhältnis stand, ebenso wie beispielsweise Carl Gustav Jung, Hermann Hesse und Rabindranath Tagore, die alle das Denken Arnold Keyserlings mitgeprägt haben.

 

Anmerkungen zum Buch der Wandlungen (I Ging)

Der Text des I Ging, des ?Buches der Wandlungen" gilt als der älteste unter den klassischen Texten Chinas. Das Werk ist auch unter dem Titel "Zhou Yi" (nach anderer Schreibweise "Chou I") bekannt, was soviel wie "Wandlungen der Zhou" bedeutet. Hieraus wird zum Teil geschlossen, daß wesentliche Teile des "Buches der Wandlungen"  zur Zeit der Zhou-Dynastie, also in der Periode  zwischen 1122-770 v.u.Z. entstanden sein müsse.

Das I Ging stellt in chiffrierter Form die gesamte Kosmologie und Philosophie des alten China dar. Dem Werk liegt der Gedanke zugrunde, daß sich alle Dinge unausgesetzt zwischen zwei einander entgegengesetzten Polen entwickeln. Alles, was existiert, ist dadurch der beständigen Veränderung - einem beständigen Wandel - unterworfen.  Alles ist aus der Sicht des I Ging daher immer nur Tendenz, niemals Zustand. 

Obwohl das Buch der Wandlungen ursprüngliche in den Orakel-Traditionen des chinesischen Schamanismus wurzelt, baut es sich in seiner heutigen Gestalt auf einem mathematisch-numerologisch begründbaren Strichcode auf, zu dem bereits im chinesischen Altertum bestimmte Kommentare verfaßt worden sind. Dieser Strichkode umfaßt 64 Zeichen, die aus je sechs durchgehenden oder unterbrochenen Linien aufgebaut werden, den sogenannten Hexagrammen.

Das I Ging zählt unbestritten zu den großen Werken der Weltliteratur. Es kann als Weisheitsbuch betrachtet werden. Zugleich ist es seit jeher in China als Orakel befragt worden. Es erfreut sich seit Richard Wilhelms Übersetzung ins Deutsche auch im Westen besonders unter seinem divinatorischen Aspekt einer nicht geringen Beliebtheit. 

 

Richard Wilhelm

Richard Wilhelm, Der Übersetzer des I Ging: Theologe, Missionar und Sinologe

Der Schwabe Richard Wilhelm (1873- 1930)  war voll ausgebildeter Theologe und als Pfarrer, Pädagoge und Missionar in China tätig. Für seine Verdienste um die chinesische Erziehung verlieh ihm der chinesische Kaiser den "Rangknopf vierter Klasse", der mit dem Titel "Dautai"verbunden war.

Im Reich der Mitte lernte Wilhelm chinesisch und wurde in der Folgezeit einer der bedeutendsten deutschsprachigen Sinologen.  Der Einfluß der chinesischen Kultur wirkte auf ihn so nachhaltig, dass er sich schließlich von seiner christlichen Missionarstätigkeit vollständig distanzierte. Nach 1924 widmete er sich ausschließlich der Sinologie.

Richard Wilhelm setzte sich für Austausch zwischen den Kulturen ein. Er wandte sich vor allem entschieden gegen eine eurozentrische Sichtweise der chinesischen Kultur ein. Seine Missionstätigkeit sah er im Nachhinein so kritisch, daß er geäußert haben soll: "Es ist mir ein Trost, daß ich in zwanzig Jahren keinen einzigen Chinesen bekehrt habe".

Die Wirkungsgeschichte von Richard Wilhelm und seinem Werk ist kaum zu unterschätzen. Zu Wilhelms Freunden gehörten u.a. Albert Schweitzer, Hermann Hesse, Martin Buber, Carl Gustav Jung, Arnold Graf Keyserling und der indische  Philosoph und Dichter Rabindranath Tagore.