Was ist eigentlich Karate?

Ursprung und Wortbedeutung

Als Karate bezeichnet man eine Gruppe von Nahkampf- und Selbstverteidigungssystemen, die ursprünglich auf Okinawa entstanden sind. Das Wort karate ist japanisch. Es bedeutet  "Leere Hand"  beziehungsweise, in übertragenem Sinne, "Unvoreingenommene Handlungsweise".

 

Historische Grundlagen 

Über die frühe Geschichte das Karate wissen wir nicht viel. Seine Wurzeln reichen ins Dunkel längst entschwundener Zeiten hinab. Vielleicht gibt es Einflüsse bis von Indien her? Das, was wir heute im eigentlichen Sinne als "Karate" bezeichnen, hat sich jedoch zuerst in Okinawa formiert. Auch hier läßt sich allerdings eine wissenschaftlich nachvollziehbare und historisch gesicherte Überlieferung nur bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen. 

Die weit verbreitete Annahme, daß Karate eine ursprünglich japanische Kampfkunst sei, ist also nicht ohne weiteres zutreffend. Dies ist besonders zu betonen, denn Okinawa hat eine eigenständige Kulturtradition, die von der Japanischen durchaus verschieden ist. 

Auf die japanischen Hauptinseln gelangten die okinawanischen Karatesysteme oder -stile nämlich erst zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Dort erfuhren sie dann innerhalb weniger Jahre eine starke Japanisierung. Die technischen, philosophischen und erzieherischen Konzepte des Karate wurden dabei einer umfassenden Neuinterpretation unterworfen. Dies führte unter anderem dazu, daß das Karate mit dem modernen Wettkampfgedanken verquickt wurde. Damit war eine Entwicklung in Gang gesetzt, die ein Karate entstehen ließ, das mit der alten Selbstverteidigungskunst nicht mehr allzuviel gemein hatte.

Schließlich, nach dem zweiten Weltkrieg, wurde Karate von Japan aus auf der ganzen Welt verbreitet. Dies brachte weitere Veränderungen mit sich. Die Vorläufer aller modernen Karatesysteme sind jedoch gleichermaßen unter chinesischen, japanischen und anderen pazifischen (nicht unwahrscheinlich philippinischen) Einflüssen im Bereich des Ryû-Kyû Archipels und auf der Insel Okinawa entstanden. 

 

Technisches Repertoire

Karate im engeren Sinne ist vor allem durch waffenlose Techniken charakterisiert. Zum technischen Repertoire gehören Blocktechniken, Schläge, Stöße, Tritte, Hebel, Fußfeger und Würfe. Auch Würgetechniken und Nervenpunktstimulationen sind von Bedeutung. Zum Karate im weiteren Sinne können auch bestimmte Waffentechniken gerechnet werden, die allerdings meist unter der Bezeichnung kobudô geübt werden.

 

Konfuzianische Philosophie

Im traditionellen Karate wird eine umfangreiche Etikette im Umgang der Übenden untereinander beachtet. Sie ist vom konfuzianischen Gesellschaftsmodell und entsprechenden Hierarchievorstellungen geprägt und steht in Beziehung zu einer Werteerziehung, die ritterlichen Idealen nahestehen.

 

Bruchtests 

Die bekannten Tests auf das Zerschlagen harter Gegenstände, (jap. tameshiwari), vor allem von Brettern und Dachziegeln, ist heute von geringer Bedeutung, obwohl es immer noch geübt wird.

 

Einflüsse des Wettkampfs auf das traditionelle Karate

Das Bild, das die allgemeine Öffentlichkeit vom Karate hat, ist hauptsächlich vom modernen, sportlich orientierten Karate geprägt. Tatsächlich wird heutzutage in den meisten Karatestilen und -schulen dem Wettkampf eine übergroße Bedeutung zugemessen. Dadurch treten sowohl die spirituellen Aspekte der Kampfkunst als auch die Pflege effektiver Selbstverteidigungstechniken, die zum traditionellen Karate gehören, in den Hintergrund und werden zum Teil gänzlich vernachlässigt.