Was ist eigentlich Spiritualität?

Tja... Was ist eigentlich Spiritualität? 

Im Umfeld von Yoga, Tai Chi, Qi Gong und selbst Karate wird ja bekanntlich gerne und nicht selten vollmundig von und über Spiritualität gesprochen. Die besagten Bereiche werden oft dem Feld der Körperübungen zugerechnet. Aber ist Spiritualität nicht eine Domäne des Religiösen?

  

Ich selbst habe das zumindest lange Zeit angenommen. Doch der Begriff "Spiritualität" wird gar nicht einheitlich verwendet. Fast jeder Autor gebraucht das Wort in einer anderen Bedeutungsnuance.  Das ist, wenn man die präzise Frage stellt, was denn am Karate eigentlich "spirituell" sei, unbefriedigend und irritierend. Dies um so mehr, wenn sich herausstellt, daß es letztlich gar nicht so einfach ist, eine genaue  begriffliche Unterscheidung zwischen "Frömmigkeit", "Religiosität" und "Spiritualität" zu treffen. 

 

Für mich selbst habe ich inzwischen eine Antwort gefunden, was ich unter Spiritualität verstehen möchte.  Beim Hören einer Radiosendung - ich glaube mich zu erinnern, daß es eine Sendung im Deutschlandfunk war - wurde ich auf eine Definition von "spirituellem Leben" aufmerksam, die mir persönlich bis heute passend erscheint. Sie lautet: "Spirituelles Leben ist geistig waches Leben."

  

Auf der Grundlage dieser Definition läßt sich die spirituelle Dimension der Kampfkünste durchaus ausmachen, denn Kampfkünste fordern generell in besonderer Weise zu "geistiger Wachheit" auf, besonders, solange die Frage nach Leben und Tod beim Üben präsent bleibt.

 

Mein Interesse am Begriff "Spiritualität" ist damit aber noch nicht erschöpft. Ich frage weiter und nutzte dabei natürlich nicht zuletzt das Internet für meine theoretischen Karatestudien, zu denen eben auch meine Frage nach "Spiritualität" gehört. 

 

Von meinen Streifzügen zum Thema "Spiritualität" habe ich ein Link zu den Internetseiten von Dipl.-Psych. Irmgard Rathsmann-Sponsel und Dr. phil. Rudolf Sponsel aus Erlangen mitgebracht. Die beiden Wissenschaftler haben eine sehr große, vom Design her allerdings nicht so geglückte und graphisch leider etwas unübersichtliche Seite zum Thema "Spiritualität" erstellt.

 

Man sollte sich von der unübersichtlichen Aufmachung der Seite nicht abschrecken lassen und auch nicht davon, daß man den zweiten Satz der Einleitung nach dem Inhaltsverzeichnis vielleicht nicht so ganz versteht. Besagter Satz - ein Zitat des schweizer Theologen Hans Urs v. Balthasar - wird auch von  Dr. Rudolf  Sponsel als sprachlich unverständlich und inhaltlich nicht ganz richtig einstuft. Man muß sich also etwas reinbeißen, dann wird die Seite zur Fundgrube. 

 

Gleich an den Anfang der Seite stellt Dr. Sponsel eine Zusammenfassung, die auf seine Definition von "Spiritualität" schließen läßt. Sponsel geht davon aus, daß jeder Mensch seiner Natur nach geistig orientiert, d.h. "spirituell" ist, wenn er nach  Sinn und Wert sucht. "Spiritualität" ist nach Sponsel daher weder eine Bezeichnung für eine esoterische noch für eine religiöse Praxis, sondern für eine grundlegende Dimension des Menschseins.

  

Obwohl Irmgard und Rudolf Sponsel den Inhalt ihrer Seite als "Psychologische Untersuchung" bezeichnen, gehen sie vor allem auf die religiöse Dimension der Spiritualität aus unterschiedlichsten Blickwinkeln ein. Dabei stützen Sie sich auf ein Werk des an der Universität Eichstädt angesiedelten Theologen und Psychologen Prof. Dr. Erwin Möde mit dem Titel "Spiritualität der Weltkulturen" (Graz, 2000). Sie skizzieren nach Mödes Vorlage asiatische, afrikanische, antike, altorientalische, alteuropäische und viele andere Spiritualitätsentwürfe in einer relativ kurzen und übersichtlichen Zusammenschau.  Auch die "esoterische" und nicht zuletzt die "Spiritualität der neuen Religiosität" wird skizziert. Die altamerikanischen und indianischen Ansätze finden keine, beziehungsweise nur eine ganz geringe Berücksichtigung.

 

Die Seite ist es wert, aufmerksam gelesen zu werden. Der Exkurs über die Methode des Definierens wirkt zuerst etwas fremd aber wie gesagt, nicht irritieren lassen! Wenn man aufmerksam liest und bis zu Ende mitdenkt, hat man wirklich was über das Thema "Spiritualität" gelernt. Besonders für Kampfkunstadepten soll der das Freisetzen von "Hirnschweiß"  ja verdienstvoll sein. Beim Lesen also immer das bumbu fuki im Sinn behalten  :-) 

 

Zur angekündigten Seite über "Spiritualität" geht's hier.

 

Karate als spiritueller Weg

Im Westen mutet es merkwürdig an, daß man in Japan die Kampfkünste als spirituelle Übung auffaßt. Das mag vor allem daran liegen, daß man im europäischen Kulturkreis "Spiritualität" gewöhnlich mit einer wie auch immer gearteten "Frömmigkeitspraxis" in Verbindung bringt, in Japan dagegen nicht unbedingt. Mehr...